Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus, Amen.

Empfangt Gottes hl. Wort, wie es geschrieben steht in der Apostelgeschichte im 16. Kapitel, die Verse 23-34:

23. Nachdem man sie hart geschlagen hatte, warf man sie ins Gefängnis und befahl dem Aufseher, sie gut bewachen.

24. Als er diesen Befehl empfangen hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Bock.

25. Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und die Gefangenen hörten sie.

26. Plötzlich aber geschah ein großes Erdbeben, so dass die Grundmauern wankten. Und sogleich öffneten sich alle Türen, und von allen fielen die Fesseln ab.

27. Als aber der Aufseher aus dem Schlaf auffuhr und sah die Türen des Gefängnisses offen stehen, zog er das Schwert und wollte sich selbst töten; denn er meinet die Gefangenen wären entflohen.

28. Paulus aber rief laut: Tu dir nichts an; denn wir sind alle hier!

29. Da forderte der Aufseher ein Licht und stürzte hinein und fiel zitternd Paulus und Silas zu Füßen.

30. Und er führte sie heraus und sprach: Liebe Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde?

31. Sie sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig.

32. Und sie sagten ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Haus waren.

33. Und er nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen. Und er ließ sich und alle die Seinen sogleich taufen

34. und führte sie in sein Haus und deckte ihnen den Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause, dass er zum Glauben an Gott gekommen war.

Lasst uns beten: Herr, dein herrlicher und rettender Name sei gepriesen für die Wunder, die du getan hast und heute unter uns tust. Segne dein Wort an unseren Herzen, Amen.

 

Liebe Gemeinde!

1989 - das Wendejahr. In der Prager Botschaft der Bundesrepublik Deutschland befinden sich unzählige Flüchtlinge aus der DDR. Es ist eng. Es fehlt an allem. Die Zustände sind katastrophal. Die DDR Bürger können die Botschaft nicht verlassen, denn draußen steht die Polizei, die sie wohl verhaftet hätte. Ein großes Gefängnis. Am Abend - es ist schon dunkel tritt der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher auf dem Balkon an die Mikrophone. Unten warten die Menschen angespannt. Er beginnt zu sprechen: Ich kann ihnen mitteilen, dass heute ihre Ausreise - ein unbeschreiblicher Jubel bricht aus. Die letzten Worte sind nicht mehr zu hören. Die Menschen konnten damals in die Freiheit ausreisen, das Gefängnis verlassen.

Freiheit - das ist heute das Thema unseres Bibelwortes.
Paulus und Silas sind verhaftet, gefoltert und ins Gefängnis geworfen worden, weil sie die Freiheit, die Jesus Christus allen Glaubenden schenkt, öffentlich verkündigt haben.

Sie machen Bekanntschaft mit dem zuständigen Justizvollzugsbeamten, der sie besonders gut wegschließt: in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Bock.

Aber anstelle Trübsal zu blasen, fangen sie an zu singen. Kein Klagelied! Nein! Sie loben und preisen Gott.

Der Gefängniswärter hat in seiner Wachstube geschlummert und bekommt von alle dem nichts mit.

Drei Männer - liebe Gemeinde - drei Männer die auf unterschiedlichen Seiten stehen. Da haben wir die Gefangenen Paulus und Silas auf der einen Seite und den namenlosen Wärter auf der anderen Seite.

Eigentlich doch klar und für alle offensichtlich: Paulus und Silas sind die Unfreien, die Knackis, die Verbrecher. Der Justizvollzugsbeamte ist der Freie, der Gute, der mit den Schlüsseln.

Oberflächlich betrachtet ist das wohl so. Aber nur augenscheinlich.

Paulus und Silas sind zwar äußerlich gefangen, innerlich aber frei. Es ist die Freiheit der Kinder Gottes, die sie ins Loben und Danken führt. Sie glauben, dass Jesus Christus ihre Rettung ist, weil er die Freiheit von Schuld und Sünde gebracht hat. Gefängnismauern ändern an dieser unumstößlichen Tatsache nichts. Paulus und Silas sind frei, weil der Herr sie von den Ketten der Schuld und Sünde durch das Kreuz befreit hat.

Der Wärter aber, der die Schlüssel aus dem Gefängnis hat, ist eigentlich der Gefangene. Gefangen in Schuld und Sünde, angekettet im Glauben an Götterwelten, gefesselt an der Macht des Todes. Das wird im Verlauf der Geschichte deutlich.

Wo stehst du?

Gefangen oder befreit durch Christus?

Gefangen nehmen kann uns ja Vieles im Leben.

Die Hoffnungslosigkeit verbunden mit der Frage wie soll es weiter gehen in der Ehe und in der Familie mit den Kindern.

Die Angst um den Arbeitsplatz. Wie lange wird der noch sicher sein?

Die Verzweifelung über die eigene Schuld und Sünde.
Die Verbitterung und Enttäuschungen, die im Leben eingesteckt werden mussten.

Die Verletzungen die nicht heilen dürfen.

Das sind dicke Gefängnismauern um das Herz herum. Eingekerkert und weggeschlossen in die den Knast der gottfeindlichen Welt.

Der Mensch ist gefangen an die Mächte der Welt, egal welche Ideologie oder Staatsdoktrin man nimmt (Sozialismus, Kommunismus, Nationalsozialismus) er ist gebunden an Dinge, wie Geld, Auto und schickes Haus, gefesselt an Menschen, falschen Freunden, wenn Jesus Christus nicht der Mittelpunkt des Lebens ist. Gerade in den Alltag gehört der Glaube an den auferstandenen Herrn.

Und das, liebe Gemeinde, gilt es zu leben. Den Glauben an Jesus Christus im Alltag zu feiern, zu gestalten, zu leben.

Denn allein Jesus Christus bringt uns die Freiheit. Es gibt so viele Zwänge, gesellschaftliche Anforderungen, eigenes Versagen durch Schuld.

Der Herr will dir die Freiheit davon schenken, um dich frei zu machen zu einem Leben, das Zukunft hat. Denn er ist ja der, der der Weg zum Vater ist.

Freiheit und wirkliches Leben gibt es ausschließlich und exklusiv nur bei Jesus Christus. Er greift auch in dein Leben ein und verändert es.

So hat er es damals auch bei dem Kerkermeister getan. Auf sehr dramatische Weise!

Nach dem Lob Gottes wackelt das Gefängnis. Ein Erdbeben erschüttert den Knast. Die Fesseln zerspringen, die Türen öffnen sich.

Aufgeschreckt von diesem Erdbeben rennt er zu den Zellen, sieht die Türen offen. Aus Angst vor Bestrafung will er sich das Leben nehmen.

Hat doch eh alles keinen Sinn mehr.

Paulus ruft ihm zu, dass er keinen Grund hat, sich selbst zu töten, weil alle Gefangenen da sind.

Wenn Gott eingreift, wackelt es. In Leben des Paulus und Silas hat er das Gefängnis in seinen Grundfesten erschüttert, so dass die Fesseln sich lösten und die Türen aufsprangen.

Wenn Gott in unser Leben eintritt, stürzen meine Mauern ein: Die Vorstellungen vom Leben, die Meinungen über andere und mich, die Werte und Richtlinien, wonach ich mein Leben gestalte.

Wenn Gott ins Rad meiner Lebensgeschichte hineingreift, kommt es zu umfassenden Änderungen.

Denn die Ketten des alten Lebens zerspringen, die Fesseln der Schuld werden durch Jesu Sterben zerschnitten, die Türen des Gefängnisses, das aus den Felsen meiner Sünde erbaut ist, öffnen sich durch das Kreuz des Heilandes:

Jesus ist kommen nun springen die Bande, Stricke des Todes die reißen entzwei. Unser Durchbrecher ist nunmehr vorhanden; er, der Sohn Gottes machet recht frei, bringet zu Ehren aus Sünde und Schande; Jesus ist kommen nun springen die Bande. (ELKG 53,2)

So dichtet Johann Allendorf 1736 in seinem Lied Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude.

Dass die Ketten gebrochen, die Stricke des Todes gerissen und die Fesseln der Sünde durch Jesu Kreuz und Auferstehung zerschnitten sind, führt uns als Kinder Gottes ins Singen, Danken und Loben.

Darum ist am Sonntag Kantate (Singet) dieses Gotteswort auch als Predigtabschnitt vorgeschlagen.

Dass trotz der äußerlich widrigen Umstände Paulus und Silas singen, darf dich, liebes Kind Gottes, ermutigen auch zu singen und Gott zu loben, gerade dann, wenn dir eigentlich nicht danach ist, wenn dein Leben auch mies und widrig ist.

Paulus und Silas werden durch das Eingreifen Gottes aus dem Gefängnis gerettet. Aber das eigentliche große Wunder geschieht erst noch.

Der eigentlich freie, aber doch gefangene Justizvollzugsbeamte fragt die augenscheinlich Gefangen, die doch frei sind: Liebe Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde.

Was muss ich tun, um frei zu werden?

Der Gefängniswärter hat verstanden, dass er eigentlich der Gefangene ist und die Gefangenen Paulus und Silas die, die in Wahrheit frei sind.

Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus gerettet.

Der Name „Jesus“ ist Programm - er heißt ja ins Deutsche übersetzt „Retter“.

Ihr Lieben! Jesus ist unser Retter. Er ist dein Erlöser. Wenn du Freiheit willst, die diesen Namen verdient, dann Glaube an den Herrn Jesus.

Glauben heißt Vertrauen. Im Leben und Sterben kannst du auf diesen Jesus Christus bauen. 100-prozentig. Wagen wir diesen Glauben - gerade auch in unserem Alltag mit all den Anforderungen, Sorgen und Nöten.

Wer den Glauben an Christus wagt, wird auch die Wunder sehen, die er tut. Denn Wunder wirkt unser Gott heute immer noch - große und kleine. Nur sind wir oftmals blind und sehen nicht, die großen Taten des Herrn. Die Werke Gottes in unserem Leben werden nicht gesehen, weil wir vielleicht nicht wirklich mit Gott rechnen und ihm zutrauen, dass er rettend eingreift. Macht er das, denkt der eine an Zufall die andere an Schicksal oder ein dritter an das Glück, das ihm hold war.

Der Herr schenke uns immer wieder neu offene Augen des Glaubens, damit wir seine Wunder sehen. Wenn wir die Welt mit Gottes Augen sehen lernen, wird uns auch geschenkt die Wunder seiner Allmacht zu sehen.

Der Herr wirkte das Wunder des Erdbebens und wirkte das noch größere Wunder, dass ein Mensch nach Rettung aus seinem verkorksten Leben fragt.

Denn das Ziel des Glaubens an den Herrn Jesus ist die Seeligkeit.

Ja, liebe Gemeinde, Jesus Christus verfolgt ein Ziel. Er will dich befreien zum ewigen Leben im Himmel. Wenn es um Rettung geht, geht es zu allererst um Erlösung aus der Schuld und Sünde Gott und meinem Nächsten gegenüber.

Von diesem Retter Jesus Christus gilt es zu erzählen, weiterzusagen und mitzuteilen.

Paulus und Silas haben die Chance genutzt und von dem erzählt, der ihnen die Freiheit geschenkt: Jesus Christus.

Diese Botschaft von der Freiheit ist so ansteckend für den Kerkermeister, dass er diese auch will.

Er nimmt die beiden Knackis Paulus und Silas mit nach Hause. Dort hören er und sein ganzes Haus, wer Jesus ist, was es mit dieser Freiheit in Christus auf sich hat.

Gottes rettendes Eingreifen ereignete sich damals in der Taufe bei dem Kerkermeister und ist in deiner Taufe geschehen.

Die Taufe ist notwendig zum Heil. Denn im Taufwasser werden wir verbunden mit Dreieinigen Gott - für immer und ewig, weil wir dort zu seinen Kindern geworden sind.

Der Herr hat das Leben des Justizvollzugsbeamten auf den Kopf gestellt. Er wäscht die Folterwunden und versorgt sie.

Der Glaube versetzt Berge, damals, wie heute. Der Glaube an den Befreier Jesus Christus führt ins Feiern.

Ja, feiert Christus, der uns den Glauben schenkt. Der christliche Glaube ähnelt nicht einer Trauergesellschaft, sondern mit einer Festgemeinde.

Der Glaube an den lebendige Herrn führt in die Freude über die Rettung, die er für uns am Kreuz erkämpft hat. Da kann man nur feiern und fröhlich sein.

Den Glauben sichtbar zu feiern, ereignet sich im Heiligen Abendmahl. Die Abendmahlsfeier ist das Fest des Glaubens. In ihr kommt die Freude über unsere Freiheit zum Höhepunkt. Denn dort empfangen wir wirklich Christi Leib und Christi Blut zur Vergebung unserer Sünden.

Das ist zum Jubeln und zum Feiern.

Wenn schon 1989 die Leute in der Prager Botschaft jubelten, haben wir als Christen erst recht einen Grund zum Freuen und Feiern: Jesus Christus ist unsere Freiheit. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unseren Herrn. Amen.

SOLO DEO GLORIA