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Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus, Amen.
Gottes heiliges Wort für diese Predigt steht geschrieben im Brief des Apostels Paulus an die Philipper im 3. Kapitel, die Verse 7-14. Es ist auch die Epistel des heutigen Sonntags.
7. Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet.
8. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne
9. und in ihm gefunden werde, daß ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird.
10. Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleich gestaltet werden,
11. damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.
12. Nicht, dass ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin.
13. Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich's ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist,
14. und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.
Lasst uns beten: Herr, segne du Reden und Hören. Amen.
Liebe Gemeinde!
Vor gut zwei Wochen sind Sommerspiele der Neuzeit in Athen zu Ende gegangen. Die Athleten haben sich in unterschiedlichen Sportdisziplinen gemessen, Rekorde wurden aufgestellt, Medaillen wurden errungen. Jeder Sportler möchte natürlich als Sieger den Platz verlassen und Gold mit nach Hause nehmen. Im Moment des Sieges sind dann alle Strapazen vergessen, Entbehrungen spielen keine Rolle mehr, jeglicher Verzicht und Verlust sind bedeutungslos. Wo Sieger sind, gibt es auch Verlierer. Manchmal sind es nur hundertstel von Sekunden, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Was für ein Drama. Aber knapp daneben ist auch vorbei.
Von Gewinnen und Verlieren, von Sieg und Niederlage handelt auch unser Gottes Wort.
Der Apostel Paulus wähnte sich auf der Siegerseite, damals bevor sich vor Damaskus ihm der auferstandene Herr in den Weg stellt.
Er ist ja schließlich ein gut ausgebildeter Theologe, der bei einem der größten jüdischen Gelehrten seiner Zeit studiert hatte. Von Prof. Gamaliel, so der Name des berühmten Theologen, lernte er das Gesetz Buchstabe für Buchstabe. Und die Kunst das Gesetz auszulegen. Und er ist ein begabter Schüler und war ein großer Eiferer für den Herrn. Er nahm’s genau mit Gott und wähnte sich auf dem Siegeszug.
Im Rückblick muss Paulus eingestehen: Mein Leben war sinnlos, wertlos, ohne Ziel und Zukunft.
Der Herr Christus hat sich ihm in den Weg gestellt und ihm eine neue Sichtweise auf sein scheinbar glanzvolles Leben gewährt. Denn Jesus Christus ist in sein Leben getreten. Von ihm aus wird das Leben neu bewertet.
7 Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet.
Vom Glauben an Jesus Christus aus sieht das Leben nicht mehr so glanzvoll aus.
Vielmehr ist das, was früher Gewinn war jetzt Verlust, was einst das Leben lebenswert machte, ist jetzt Schaden, was damals Erfüllung und Glück bedeutete ist jetzt soviel Wert wie Dreck oder um das griechische Wort genau zu übersetzen: Das Leben war Scheiße.
Das ist ein hartes Wort – zugegeben. Ein Leben ohne Jesus Christus ist misslungen. Paulus nimmt hier kein Blatt vor den Mund. Einmal weiß er wovon er redet und will uns darum auf so dramatische Weise warnen. Altes und liebgewordenes aufzugeben das tut weh.
Wenn du jetzt deine Lebensbilanz bis heute ziehst, was bleibt unter dem Strich?
Gewinn oder Verlust? Haben oder Soll? Plus oder Minus?
Wie habe ich die Zeit, die Gott mir auf dieser Erde geschenkt hat ausgefüllt? Zeit ist mittlerweile kostbarer denn je. Ein Termin jagt den nächsten. Streß, die Zivilisationskrankheit schlechthin mit allen Begleiterscheinungen: Herzinfarkt, Schlaganfall, Ausgebrannt sein.
Um dieses zu verhindern, wird heute vielfach von Entschleunigung gesprochen oder wie es auf einen dieser Schilder am Rande der Autobahn zu sehen gibt: Entdeckung der Gelassenheit.
Um eine solche Entschleunigung im eigenen Leben mit all seinen Verpflichtungen, Anforderungen, Aufgaben sinnvoll hinzubekommen, gibt es jetzt einen Haufen Bücher, die meist die Überschrift „Zeitmanagement“ tragen. Dort wird einem gesagt, daß ich meine Aufgaben in Prioritäten (A, B, C, D) unterteilen soll, wobei die A-Priorität die höchste Dringlichkeitsstufe hat. Ihr muß ich mich als erstes zuwenden.
Auch der Hl. Apostel Paulus versteht sich auf zielorientiertes Zeitmanagement. Paulus jagt Christus nach, nicht gehetzt, sondern zielorientiert. Er macht das, weil er von Christus ergriffen ist. Sein Wesen, alles, ist von Christus gefangen.
Jesus Christus ist seine A-Priorität, sein Grundton, ja sein Leben. Christus lebt in ihm. Er lebt mit Christus.
Kannst Du das auch sagen?
Ist Jesus die A-Priorität deines Lebens?
Oft genug verwechseln wir die Prioritäten. Anderes scheint wichtiger zu sein. Sonntags in den Gottesdienst? Ne, Familientag oder mit Freunden etwas unternehmen. Unser Leben von Gottes Wort her gestalten? Engt mich ein!
So stellt sich auch uns die Frage: Was hat Priorität in meinem Leben? Für Paulus ist es klar: Damit ich Christus gewinne.
Mit Jesus Christus stehen wir auf der Siegerseite. Ohne ihn mögen wir im Leben ganz gut klar kommen, aber am langen Ende sind wir ohne den Herrn die Verlierer.
Ja, wir leben als Christen seit unserer Taufe in einer engen Gemeinschaft mit Jesus Christus. Seit der Taufe hat sich unser Leben gewandelt, weil uns dort das Kleid der Gerechtigkeit geschenkt wurde. Das ist keine selbst gebastelte Gerechtigkeit, die nichts als Einbildung wäre. Denn wie könnten wir uns selbst frei machen, gerecht sprechen?
Dass du mit weißer Weste vor Gott stehst, ist dank des kraftvollen und wirksamen Taufwassers an dir geschehen. Im Glauben an Jesus Christus wird uns seine Gerechtigkeit zugerechnet.
Dass ich nicht meine Gerechtigkeit habe, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird, ist ein Geschenk.
Diese Rechenaufgabe meint, dass ich nicht aus mir heraus gerecht bin. Vielmehr ist Jesus Christus am Kreuz für deine und meine Schuld und Sünde gestorben. Er hat sein Leben für dich gelassen, damit wir aus den Miesen, dem Soll, dem Minus, dem Verlust unseres Lebens herauskommen.
Im Glauben an Christus ist dein Leben ein Leben mit Plus, weil es ein Leben unter dem Kreuz des Herrn ist.
Christus schreibt dir auf deinem Lebenskonto ein großes Plus. Du gibst ihm deine Schuld und Sünde. Er gibt dir seine Gerechtigkeit. Dieses wunderbare Leben mit Plus wird in der Beichte geschenkt. Dort wirst du immer wieder gefunden und dein Leben wird wieder hell. Dort wird dir der überragende Gewinn geschenkt: Leben mit Plus, d.h. Ewigkeit.
Paulus bringt es sehnsüchtig zum Ausdruck, wenn er schreibt:
10 Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleich gestaltet werden,
11 damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.
Die Auferstehungsmacht ist mit der Leidensgemeinschaft verknüpft. Ja, Paulus geht sogar soweit und sagt: Unser Leiden, das, was uns im Leben schwer zu schaffen macht, ist Ausdruck der Gemeinschaft mit Christus.
Das lässt sich leicht sagen, wenn man nicht mittendrin ist im Leid. Schwer wird’s zu buchstabieren, wenn einem Leid zu schaffen macht, Krankheit drückt, die Kräfte nachlassen, Aussichtslosigkeit und Zukunftsängste Raum gewinnen.
Aber ist es nicht gleichzeitig auch tröstlich zu wissen: Gerade im Leiden, in meiner Angst, der Schuld und Sünde, in der Todesnot habe ich Gemeinschaft mit Christus. Ich bin und bleibe mit ihm verbunden. Auf ewig. Komme, was da wolle.
Denn am langen Ende ist der Herr des Lebens Sieger und setzt sich machtvoll durch. Das große Ziel ist die Auferstehung der Toten. Denn wir Christen folgen unserem Herrn.
Das, was Jesus Christus geschehen ist, wird auch uns passieren. Der Herr ist wirklich auferstanden. Darum werden auch wir auferstehen.
Wir stehen im Glauben an Jesus Christus auf der Siegerseite, weil sein Sieg am Kreuz unser Sieg ist. Weil seine Gerechtigkeit unsere Gerechtigkeit im Glauben wird. Diesem großen Ziel jagen wir nach.
Es gilt also dran zu bleiben. Der Anstoß geht aber allein von Jesus Christus aus. Dieser Schritt, dieses Festhalten, in die Arme schließen durch den Dreieinigen Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist ist in deiner Taufe geschehen.
Dort hat er dich ergriffen, hat seinen Anfang mit dir gesetzt. Das ist das heilsentscheidende Ereignis deines Lebens. Das ist das, was Paulus hier so vollmundig reden läßt. Er weiß: Nicht ich, nicht ich, sondern der Herr. Dies allein läßt auch Paulus durchhalten.
Denn es geht um das große Ziel unseres Lebens: Für immer bei und mit Gott sein, in den Himmel kommen, Ewigkeit. Dieses Ziel erreichen wir, wenn Jesus Christus unsere A-Priorität ist. Er nimmt uns an die Hand und bringt uns zum himmlischen Vater.
Das heißt nun auch: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.
Paulus läßt sein altes Leben hinter sich und konzentriert sich auf die A-Priorität des Lebens: ewig bei und mit Gott zu leben.
Diese A-Priorität bringt Christen so manches Mal in Widerspruch zu den Zeitgenossen, ihren Vorstellungen und Zielen.
Jedoch gilt dann, daß auf Kosten der Wahrheit des Evangeliums von Jesus Christus keine faulen Kompromisse einzugehen sind. Vielmehr ist diese Wahrheit aller Welt zu bezeugen.
Mit anderen Wort: Wir sind aufgerufen anderen den Weg zu Christus zu weisen, damit auch sie von ihm ergriffen werden und mit uns auf dem Weg zum himmlischen Vater gehen. Dieser Weg heißt Jesus: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, sagt er von sich.
Auf diesem Weg laufen wir, ja jagen dem großen Ziel Ewigkeit nach. Das ist unsere Medaille. Wir sind als Christen in einer Art Dauerolympiade. Wir konzentrieren uns auf diesen Siegespreis und jagen unserem Herrn nach, laufen in seine Arme, ihm entgegen. Amen.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn, Amen.
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