|
Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.
Gottes heiliges Wort für den Sonntag des Erzengels Michael und aller Engel steht geschrieben im Buch der Offenbarung des Johannes im 12. Kapitel, die Verse 7-12. Dieser Abschnitt ist zugleich die Epistel.
Und es entbrannte ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen. Und der Drache kämpfte und seine Engel, und sie siegten nicht, und ihre Stätte wurde nicht mehr gefunden im Himmel. Und es wurde hinausgeworfen der große Drache, die alte Schlage, die da heißt: Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt, und er wurde auf die Erde geworfen, und seine Engel wurden mit ihm dahin geworfen. Und ich hörte eine große Stimme, die sprach im Himmel: Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unseres Gottes geworden und die Macht seines Christus; denn der Verkläger unserer Brüder ist verworfen, der sie verklagte Tag und Nacht vor unserem Gott. Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses und habe ihr Leben nicht geliebt, bis hin zum Tod. Darum freut euch ihr Himmel und die darin wohnen. Weh aber der Erde und dem Meer. Denn der Teufel kommt zu euch hinab und hat einen großen Zorn und weiß, dass er wenig Zeit hat.
Lasst uns beten: Herr Gott, lieber himmlischer Vater, wir danken dir, dass wir durch des Lammes Blut überwinden werden. Schicke du uns deinen Heiligen Geist, dass wir deinem Wort glauben schenken, durch Jesus Christus, unseren Herrn, Amen.
Liebe Gemeinde!
Die Uhr tickt erbarmungslos. Tick, tick, tick. Die Sekunden verstreichen. Wer kennt ihn nicht, den Termindruck. Das muss noch geschafft, dies noch getan werden: Hausaufgaben machen, Sport, Gemeindegruppen, Klavierüben, auf Arbeit sind die Aktenberge abzuarbeiten, Konferenz am Nachmittag, Familientreffen, Einkaufen, die Wohnung und das Haus in Ordnung halten…
Das, was heute der letzte Schrei ist, ist morgen schon Schnee von gestern. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit: Mode, Technik, Meinungen, Werte: das, was im Leben mal galt, gilt nicht mehr. Die Folge ist Orientierungslosigkeit. Und so stellen sich viele Zeitgenossen die Frage: Was gilt eigentlich? Woran kann ich mich festhalten? An wen oder was soll ich mein Leben ausrichten?
Uns werden die unterschiedlichsten Lebenskonzepte angeboten: Fernöstliche Spiritualität mit Buddhismus, Technikglaube, Engelglaube.
Dieses Durcheinander nutzt einer für sich, weil er weiß: Meine Uhr tickt. Er hat Termindruck. Die Zeit läuft ihm weg, zerrinnt unter seinen Klauen:
Denn der Teufel kommt zu euch hinab und hat einen großen Zorn und weiß, dass er wenig Zeit hat. So lesen wir bei Johannes.
Die Tage des Teufels und seiner Engel sind gezählt. Der Satan liebt das Durcheinander: Denn die griechische Übersetzung für Durcheinanderbringer ist: Diabolos. Das Durcheinander ist sein Nährboden für Hass, Feindschaft, Verdrehung der Gebote Gottes, Missachtung von Gottes Wort, von Schuld und Sünde, Spaltung, Streit, Lüge. Natürlich ist das nicht auf den ersten Blick zu durchschauen. Denn der Satan ist ein Meister der Täuschung. Sein größter Sieg ist, dass wir Menschen ihn heute nicht mehr ernst nehmen:
In der in der Schweiz erscheinenden Magazin: Weltwoche war zu lesen: „Kein vernünftiger Mensch nimmt ihn heute noch ernst, den Teufel. Das ist wahrscheinlich unklug. Denn seit wir nicht mehr an Satan glauben, hat er uns erst recht in seinen Klauen.“
Die Zeitschrift hat Recht. Der Teufel kann so ungestört auf der Erde wüten. Denn ihn gibt’s ja nicht. So kann er geschickt die Menschen verführen. Sein Ziel ist es möglichst viele einzulullen, sie Blind zu machen, sie taub zu machen für Gottes Wort. Und gerade bei uns Christen versucht er es immer wieder gern. Jeder von uns hat seinen ganz besonders schwachen Punkt. Und den nutzt er aus.
Und führe uns nicht in Versuchung beten wir im Vaterunser. Mit Martin Luther bitten wir, dass uns der Teufel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge und verführe in Missglauben, Verzweifelung und andere große Schande und Laster.
Unser Herz ist ein Schlachtfeld! Auch wenn wir wirklich seit unserer Taufe ganz zum Dreieinigen Gott gehören, will der Teufel noch nicht klein beigeben. Sein großes Ziel ist es, uns vom Glauben an Jesus Christus wegzubringen.
Und seine Zeit läuft ab. Das Schlachtfeld in unseren Herzen, Streit in den Familien, Ärger in der Gemeinde ist ein Triumph für den Satan. Denn als Verlierer ist er aus der ersten großen Schlacht herausgekommen.
Und es entbrannte ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen.
Krieg und Himmel sind nun wirklich zwei Begriffe, die wir sonst nicht in einem Atemzug nennen. Aber hier werden sie genannt. Es ist Krieg im Himmel. Der Erzengel Michael und die Engel Gottes nehmen den Kampf gegen den Teufel und seine Gefolgsleute auf.
Ist der Himmel nicht der Ort des Friedens und der Liebe? Ja, auch: Aber der Himmel ist nicht leer. Vielmehr berichtet uns die Bibel, dass dort die Erzengel, Engel, Cherubim und Seraphim zu finden sind. Sie stehen vor Gottes Thron loben und preisen ihn. Auch treten die Engel immer wieder in sichtbare, unsere menschliche Welt. Am bekanntesten sind uns sicher die Engel zu Weihnachten, die den Hirten erscheinen.
Erinnert ihr euch? Wie finden das die Hirten? Oh prima, Engel?! Nein!
Und sie fürchteten sich sehr. Steht da. Engel machen Angst, wenn sie im Auftrag Gottes Kontakt mit uns Menschen aufnehmen. Der Engel muss die Angst der Hirten durchbrechen: Fürchtet euch nicht. Denn siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Engel machen Menschen Angst. Darum habe ich auch ein Problem mit diesen kleinen süßen Engelchen, einer Trompete in der Hand und Paustbäckchen. So werden uns Engel in der Bibel jedenfalls nicht vorgestellt.
Oder denken wir an den Engel, der in Ägypten die Erstgeburt getötet hat. Also den möchte ich ehrlich gesagt nicht begegnen. Aber Engel begegnen uns in der Bibel auch immer wieder als Schutzengel. Vielleicht haben wir das in unserem Leben auch schon erfahren, wie Engel in unseren Alltag eingegriffen haben. Hier weis so mancher ja zu berichten. Menschen steigen beispielsweise nach einem Unfall aus einem total zerstörten PKW. Nach menschlichem ermessen müssten sie tot sein, aber ihnen ist kein Haar gekrümmt worden.
Oder wie ich einmal in einem Buch las: Ein gläubige Mann war in einer einsamen Gegend unterwegs. Es gab eine Gruppe von Leuten, die ihm dort auflauerten, um ihn anzugreifen. Sie stellten sich ihm zwar in den Weg und er hatte große Angst, aber er konnte ungehindert seinen Weg fortsetzen. Nach einiger Zeit traf er einen aus der Gruppe. Er fragte ihn: Warum habt ihr mir nichts getan? Ihm wurde erwidert: Um dich herum waren viele große und kräftige Männer. Da haben wir es gelassen. Er versicherte, dass er allein unterwegs war.
Andere Menschen sind ganz erpicht darauf Kontakt zu Engeln zu bekommen. In der Aller Zeitung vom 20. August heißt es zur Eröffnung eines Esoterikladens, Zitat: Dabei gehört die Kontaktherstellung zu Engeln über Meditationsübungen ebenso zum Programm, wie die Entdeckungsreise zum Selbstbewusstsein. Zitat Ende.
Ich habe meine Zweifel, ob es sich tatsächlich um Engel handelt und nicht vielmehr um Dämonen. Denn aus der Heiligen Schrift lesen wir nur davon, dass Engel im Auftrag Gottes Kontakt zu Menschen suchen und nicht wir Menschen Kontakt zu ihnen aufnehmen können oder gar sollen.
Warum auch?
Engel sind Boten und Diener Gottes. Klar und deutlich wird gesagt, dass wir Engel nicht anbeten sollen. Denn sie sind Geschöpfe, wie auch wir Menschen: Ich glaube an den einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erde all des, das sichtbar und unsichtbar ist, wie es im nicänischen Glaubensbekenntnis heißt.
So wie die Engel ist auch der Teufel mit seinen Dämonen Geschöpf.
Vielleicht stellt ihr euch die Frage: Wie kommt der Teufel in den Himmel? Was hat der da zu suchen?
Die Bibel ist recht schweigsam darüber. Dennoch findet sich im Judasbrief ein kleiner Hinweis in Vers 6:
Auch die Engel, die ihren Rang nicht bewahrten, sondern ihre Behausung verließen, hat er für das Gericht des großen Tages festgehalten mit ewigen Banden in der Finsternis.
Gemeint sind die Engel, die ihren Platz, ihren Ort im Gefüge der Schöpfung verlassen haben. Sie haben Gott nicht mehr gehorcht, sondern sich gegen ihn erhoben. Sie streiten wider Gott, weil sie es nicht ertragen konnten, gehorsam zu sein. Die Folge war der hier beschriebene Krieg im Himmel. So wenig der Teufel mit den Seinen den Sieg im Himmel davon getragen hat, ebenso wenig wird er am Ende der Tage triumphieren.
Und der Drache kämpfte und seine Engel, und sie siegten nicht, und ihre Stätte wurde nicht mehr gefunden im Himmel.
Aber mit dem im Himmel errungen Sieg durch Michael und die Engel Gottes ist der Kampf für uns Menschen auf der Erde nicht zu Ende. Ja, die Erde ist jetzt erst recht Kampfplatz geworden. Ja, das Ziel des Teufels ist Menschen von Christus fernzuhalten und diejenigen, die an Jesus Christus glauben, von ihm wegzutreiben. So versucht er gerade uns Christen. Ja, wenn das Herz schwer wird. Wenn begangene Schuld am Gewissen nagt, wenn Zweifel im Glauben aufkommen, wenn dein Leben ein durcheinander ist und du in deinem Alltag und in deinem Glauben dir die Gewissheit fehlt, lass dich durch dieses Gotteswort trösten:
Nun ist das Heil und die Kraft und das Reich unseres Gottes geworden und die Macht seines Christus;
Durch das Kreuz Christi bist du gerettet. Als du aus dem Taufwasser gezogen wurdest bist du mit dem hl. Kreuz gesegnet worden: Nimm hin das Zeichen des Kreuzes an der Stirn und an der Brust. Das ist das Zeichen das du frei bist. Dort bist du der Finsternis entrissen worden und bist zu einem Kind Gottes geworden. Seit deiner Taufe lebst du im Reich Gottes, bist Erbe seines Reiches, stehst im Machtbereich Christi. Und wenn’s Knüppeldick kommt in deinem Leben, du förmlich spürst wie du von den Mächten der Finsternis bedrängt wirst, komm zu Jesus Christus.
Auch wenn du in dunklen Stunden nicht selber mehr beten kannst, bete die Psalmen oder singe. Das sage ich jetzt nicht, weil unsere Bezirkskantorin im Gottesdienst ist. Gott die Ehre geben, ihm singend loben und preisen, das kann der Teufel nicht ab.
Denn wir haben überwunden durch des Lammes Blut. Dieses Blut des Lammes wird uns im Heiligen Abendmahl ausgeteilt. Wir gehören im Glauben an Jesus Christus zu den Siegern in diesem Kampf.
Die Uhr tickt erbarmungslos gegen die Mächte der Finsternis, sie tickt aber für uns, weil wir unserem Herrn und Heiland entgegen gehen. Er hat uns erlöst und wir gehören seit unserer Taufe ihm. Gerade in Anfechtungen kommen wir zu Christus und können uns immer wieder für unseren Glauben Kraft am Tisch des Herrn holen. Auch gleich wieder. Amen.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn, Amen.
|