Gnade sei mit euch und Friede von Gott,
unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Gottes heiliges Wort für diese Predigt – zugleich die Epistel des heutigen Sonntags - steht geschrieben im Brief an die Hebräer, Kapitel 4, Verse 12-13.

12. Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.

13. Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen Gottes, dem wir Rechenschaft geben müssen.

Laßt uns beten: Lieber Vater im Himmel wir danken dir für dein Wort. Manchmal ist es uns sehr unbequem, weil du unser Leben in Frage stellst. Sende nun deinen Hl. Geist, dass er unsere Herzen für dein Wort aufschließt durch Jesus Christus, Amen.

 

Liebe Gemeinde!

„Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker!“

Medikamente enthalten unterschiedliche Wirkstoffe, die sich verschieden auf den Körper auswirken. Der Hauptwirkstoff soll helfen, dass wir wieder gesund werden, die Beschwerden gelindert werden, die Lebensqualität zunimmt. Gleichzeitig können Nebenwirkungen auftreten, die nicht erwünscht sind: Nierenfunktionsstörungen, Depressionen, Schwindel oder was sonst auf den Beipackzetteln so drauf steht.

Ähnlich verhält es sich auch mit Gottes Wort.

1. Was lässt sich über das Mittel sagen?

Gottes Wort ist nicht so etwas wie eine Infobroschüre. Die kann ich mir durchlesen und dann sagen: Nu, weiß ich bescheid und gut ist. Die Heilige Schrift ist anders. Gottes Wort ist lebendig, weil es das Wort des lebendigen Gottes ist. Denn durch die gedruckten Buchstaben spricht er selber zu uns, redet dich an und meint dein Leben.

Diese Buchstaben sind durchweht vom Heiligen Geist. Und dieser Geist Gottes ist der, „der da lebendig macht, der von dem Vater und dem Sohne ausgeht…“, wie es im nicänischen Glaubensbekenntnis heißt.

Wir haben es mit der Bibel nicht mit einer Infobroschüre oder toten Buchstaben zu tun haben, sondern mit Gottes Wort, das geschieht. Wenn Gott redet, dann geschieht das auch. Gleich auf der ersten Seite der Bibel steht: Und Gott sprach: Es werde Licht.“ Und es ward Licht. Es wird festgestellt. Und es ward Licht. Wenn Gott redet ist das ein Machtwort, ein machtvolles Wort.

Gottes Wort ist Energie geladen und es ist gefährlich in Kontakt damit zu kommen. Es ist risikoreich und hat für dein Leben erhebliche Nebenwirkungen. Gottes Wort kehrt in keinem Fall leer zu ihm zurück, wie wir in der alttestamentlichen Lesung gehört haben.

10. Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und läßt wachsen, daß sie gibt Samen, zu säen, und Brot, zu essen,

11. so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.

Liebe Schwestern, liebe Brüder! Jetzt wird’s gefährlich, ja lebensgefährlich.

2. Denn Gottes Wort stellt dich in Frage!

Kommen wir mit Gottes Wort in Berührung, ist das so als wenn wir eine Hochspannungsleitung berühren. Es elektrisiert uns. Gottes Wort konfrontiert uns so, wie wir wirklich sind, ungeschützt und ungeschmingt.

13. Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen Gottes, dem wir Rechenschaft geben müssen.

Gottes Augen sehen dich, das, was du tust und lässt, das, was du denkst, das, was du dir wünscht, das, was du sagst.

Jeder von uns verbirgt etwas, hält es geheim. Vor Gott gibt es aber keine Geheimnisse. Die sind bloß und aufgedeckt. Wer möchte schon gern bloßgestellt werden? Gottes Augen sehen noch tiefer. Sie sehen, wie du ihm gegenüber eingestellt bist. Von uns Menschen aus lässt sich da nur sagen: Wir wollen mit Gott nichts zu tun haben, wollen unser Leben meistern und Herr der Lage bleiben.

Herr meines Lebens zu sein, heißt natürlich, dass ich keinen anderen Herren brauche. Ich habe ja mich selber! Wir Menschen kriegen gar nicht mit, dass wir so leben, denken, fühlen.

Das muß uns gesagt werden. Und das sagt uns Gottes Wort in den 10 Geboten. Er hält uns den Spiegel vor und spricht: Guck mal, so siehts aus. Du machst dein eigenes Ding. Führst dein Leben ohne Gott. Bestreitest deinen Alltag ohne Gebet und Bibellesen. Schlägst mit der Faust auf den Tisch und sagst durch dein Verhalten zu Gott: Ich bin hier der Herr im Hause und sonst keiner. Das ist die Hauptsünde, die Ursünde oder wie es in der Kirchensprache heißt die Erbsünde.

Hier kommen dann unserer täglichen Fehler hinzu. Die Sünde, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen. Die Schuld in die wir uns verstricken und so manche Lebenslüge.

Ein Mensch lügt 200 mal am Tag, so habe ich kürzlich gehört. Meistens unbewusst.

„Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung,“ steht hier auf der Karte. Wir Menschen sind oft wie dieser Vogel Strauss, der seinen Kopf in den Sand steckt. Am Besten nicht hingucken.

Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.

Diese andere Blickrichtung schenkt uns allein Gottes Wort. Das Wort Gottes ist schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.

Das heißt nun aber auch, dass wir die Ebenen nicht durcheinander bringen. Wer ist hier Richter über wen? Wir Menschen sind nicht Richter über die Heilige Schrift, über Gottes Wort. Wir stehen unter ihr. Ich kann nicht daher gehen, und wie in einem Supermarkt mir nur die Sachen herauspicken, die mir gefallen. Dann zimmere ich mir meinen Glauben und meinen Gott. Es ist interessant zu beobachten. Das, was unbequem in Gottes Wort ist, wird als folgendermaßen gebrandmarkt. Heute kann man das nicht mehr so sehen. Und interessanter Weise kommt dieser Satz immer dann, wenn Gottes Wort nicht in mein Weltbild passt und das ist völlig egal, was ich da nehme.

Gottes Wort will uns einen anderen Blickwinkel schenken. Dieses Wort ist scharf. Es geht durch uns hindurch, wie ein scharfer, schneidender Wind im Winter, der uns das Blut in den Adern gefrieren läßt. Es zeigt uns unsere Kälte Gott und unserem Mitmenschen gegenüber.

Das ist das Risiko, die Nebenwirkung, wenn Gott zu uns spricht. Er zeigt dir wie es in deinem Leben aussieht. Vorsicht: Wer sich mit Gott auf den Weg macht, steht in der Gefahr, dass sein Leben sich ändert.

Gottes Wort zeigt dir also einen klaren Blick auf dich selber.

Er lenkt aber
3. deine Blickrichtung auch von dir weg!

Wenn wir nur uns angucken. Ja, dann müssen wir verzweifeln.

Ich will es mal so sagen: Der Heilige Geist reißt durch die Heilige Schrift unseren Kopf aus dem Sand unserer Schuld und Sünde, öffnet uns die Augen, zeigt uns wie wir sind, nimmt aber im selben Moment unseren Kopf und zeigt uns das Kreuz Jesu Christi.

Klar zu sehen, heißt vor allem: Den gekreuzigten und auferstandenen Herrn Christus sehen.

Unser Leben, mit allem, wo wir versagt haben, wo wir Schuld auf uns geladen haben,wo Sünde das Gewissen belastet, können wir zum Kreuz Christi bringen.

Dort am Kreuz hat sich grundlegend für dich entschieden: Gottes Liebe gilt dir! Dort hat der Sohn Gottes durch sein Sterben Frieden gemacht zwischen dem himmlischen Vater und uns!

In Jesus Christus sind wir versöhnt mit dem himmlischen Vater. Durch das Opfer Jesu Christi am Kreuz haben wir Zugang zu Gottes wunderbarer ewiger Welt.

Schön und gut! Und wie kommt diese Welt Gottes zu mir, in mein Leben? Diese Frage hat Zündstoff! Sie ist gefährlich und risikoreich! Die Nebenwirkungen sind immens! Dein altes Leben kannst du vergessen, zu den Akten legen.

Der Dreieinige Gott kommt zu dir in seinem Wort. Dort hörst du etwas von der verändernden Kraft, weil der lebendige Herr Jesus Christus selber spricht. Dieses lebensverändernde Wort hörst du in der Predigt.

Eine andere Richtung hat dein Leben in der Heiligen Taufe bekommen. Dort wird dir persönlich das zugesagt, zugesprochen, was der Herr Christus am Kreuz dir erworben hat. Die Rettung am Kreuz auf Golgatha wird in der Taufe zu deiner Rettung. Es ist ein gnadenreich Wasser des Lebens, wie Martin Luther im Kleinen Katechismus treffend sagt. Und gnadenreich heißt nichts weiter als Rettung aus höchster Not, aus Lebensgefahr!

Mit dieser unlöslichen Verbindung zwischen dir und dem Dreieinigen Gott, soll dein Leben eine klare Blickrichtung haben. Und wenn du deinen Kopf wieder in Sand steckst, in Schuld und Sünde fällst, bleibt deine Taufe bestehen. Gottes Güte ruft dich zur Buße, wie der Apostel Paulus im Römerbrief schreibt.

Eine klare Blickrichtung gibt es in der Beichte, wo dir im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes die Vergebung zugesprochen wird. Eine klare Blickrichtung gibt’s auch im Heiligen Abendmahl, wo wir Christi wahren Leib und sein wahres Blut zur Vergebung unserer Sünden empfangen. Wort Gottes, Taufe, Beichte und Abendmahl, sind die Mittel durch die Gott seine Gnade an dich austeilt.

Das sind wirksame Mittel, die dein Leben verändern. Der Kontakt zu Gott ist risikoreich und hat Nebenwirkungen: Er verändert dein Leben. Jesus Christus schenkt dir eine klare Blickrichtung und teilt dir seine Liebe im sichtbaren Wort Beichte, Taufe, und Abendmahl und im unsichtbaren Wort der Predigt mit. Dies verändert dich. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn.