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Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus.
Gottes heiliges Wort für diese Predigt steht geschrieben bei Johannes im 11. Kapitel. Etliche Verse hieraus sind als Evangelium für diesen Sonntag verlesen worden.
Wir hören Vers 26: Christus fragt Martha: Glaubst du das?
Wir beten: Lieber Vater im Himmel, segne du Reden und Hören, durch Jesus Christus, Amen.
Liebe Gemeinde!
Es geht auf Leben und Tod. Der Patient liegt im Sterben. Wie lange wird er durchhalten? Schnelle Hilfe ist angesagt, um vielleicht noch mal das schlimmste abzuwenden. Tragisch: Der Arzt fällt eine falsche Diagnose. Der Patient ist nun unweigerlich dem Tod preisgegeben. Wie werden Angehörige, Familie, Freunde reagieren?
Ich lade euch ein mit mir der Geschichte von der Auferweckung des Lazarus nachzugehen. Dabei wollen wir 1. sehen, was es mit dem Tod auf sich hat, und 2. schauen, wie der Tod getötet wird. Also 1. was es mit dem Tod auf sich hat.
Ein Freund liegt im Sterben: Lazarus – übersetzt: Gott hilft! Seine Schwestern Martha und Maria schicken einen Boten zu Jesus, der ihm diese Nachricht überbringt. Sicher erwarten sie, dass Jesus sofort kommt.
Wie reagiert der? „Macht euch keine Sorgen. Daran stirbt er nicht.“ Fehldiagnose, möchte man empört sagen. Jesus bleibt dort, wo er ist. Wieso hilft er nicht?
Ist das nicht auch eine Erfahrung, die jeder von uns gemacht hat? Da betest du in einer persönlichen Not, aber die unmittelbare Reaktion bleibt aus! Ja, da kann man sich alleine fühlen, auf sich gestellt.
Wie geht es weiter mit meiner Krankheit? Wie mit meiner Arbeit? Wie mit Gemeinde und Kirche?
Du bekommst keine direkten Antworten auf deine Fragen, auf deine Bitten. Dennoch darfst du gewiss sein, dass du mit deinen Fragen, Ängsten und Nöten nicht alleine bist. Jesus hilft, nur nicht immer so, wie wir das wollen. Zeit und Stunde des Handelns bestimmt Jesus allein.
So auch hier bei Lazarus! Es soll nicht um eine Krankenheilung gehen, sondern um eine Totenauferweckung! Naturgemäß beschäftigen wir uns nicht gerne mit dem Tod und gehen sehr unterschiedlich mit ihm um. Schauen wir in die Geschichte und sehen wir uns die unterschiedlichen Personen an, wie sie auf den Tod reagieren. Zunächst die Jünger. Immer mit Jesus zusammen gewesen: Na, die müssen´s doch wissen! Aber worüber reden sie mit Jesus? Sie reden über ihre Reisepläne, nach Judäa wollen sie. Jesus muss ihnen nochmals ins Gedächtnis rufen: Lazarus unser Freund schläft, aber ich gehe hin, ihn aufzuwecken.
Die Jünger verstehen es aber falsch. Na, wenn er schläft, dann wird’s ihm bald besser gehen. Sie meinen Jesus redet vom natürlichen Schlaf, während Jesus den Tod meint. Jesus muss ihnen sagen: Lazarus ist tot. Die Jünger haben es also nicht wahrhaben wollen, haben Jesus nicht verstanden. Vielmehr ist Verdrängen ihre Einstellung.
Dann sind da die Schwestern Maria und Martha. Die wenden sich an Jesus und schicken einen Boten. Sie erwarten von Jesus, dass er kommt und ihren Bruder gesund macht. Denn Kranke gesund machen, das kann er. Sie haben es gesehen. So soll Jesus ihnen und ihrem Bruder helfen. Aber Totenauferweckung? Das wäre wirklich zu viel verlangt.
Da ist Martha: Als sie von Jesu Kommen hört, läuft sie ihm entgegen. Keine Zeit mehr für die, die nur ihr festgelegtes Trostritual abspulen, ihr ein herzliches Beileid zurufen, ein frommes Gesicht machen.
Was gibt es schon für Trost, wenn man den nicht kennt, der dem Tod die Macht genommen hat? Sind manche unserer Bestattungsrituale vielleicht doch nur Zeremonien der Hoffnungslosigkeit? Dafür hat Martha keine Zeit.
Sie baut sich vor Jesus auf und klagt ihn vorwurfsvoll an: „Jesus, wo warst du?“ Wir haben dich gebeten zu kommen, zu helfen, gesund zu machen! Du hast nicht geholfen. Mein Bruder, dein Freund, könnte noch leben, aber du hast nicht eingriffen. Eine harte Anklage gegen den Gottessohn Jesus.
Dürfen wir das eigentlich, den allmächtigen Gott anklagen?
Ja, das dürfen wir, wie wir hier bei Martha sehen. Denn auch die Anklage richtet sich an den, der wirklich helfen kann: Jesus Christus. Martha bleibt nicht bei der Anklage stehen.
Nun kommt´s: ABER! Es ist das Aber des Glaubens. Das ist kindliches Hoffen über Krisen, Einsamkeit, Krankheit, Sterben und Tod hinaus. Martha erwartet wirklich Großes von Jesus. „Jesus, dir vertraue ich. Du kannst meinen Bruder auch zum Leben erwecken.“
Und Jesus? Der stellt eine dicke Behauptung in den Raum, trifft eine recht massive Feststellung: Dein Bruder wird auferstehen. Zack, einfach so. So wird’s kommen. So soll es sein. Na ja meint Martha: Am Jüngsten Tag. Da wird er auferstehen. Irgendwann, irgendwie, später.
Ein Wort noch über Maria: Die bleibt im Haus, so wie es sich damals für eine trauernde Frau gehörte. Maria hat sich mit dem Schicksal abgefunden. Ihr Bruder ist tot. Und tot ist tot. Außerdem hat sie das Haus voller Trauergäste. Einer muss ja dableiben, sich kümmern, machen, tun. Martha erzählt ihr von der Ankunft Jesu. Maria steht auf und läuft Jesus entgegen, mit ihr die Trauergäste. Auch Maria klagt an: „Herr, wärst du hier gewesen…?“
Und wie reagiert Jesus? Nimmt er sie tröstend und liebevoll in den Arm? Oh, nein. Als Jesus das Gejammer hört, wird er sauer. „Er ergrimmte im Geist“, wie es hier heißt. Erbost ist er nicht über die Trauer, sondern über ihren Unglauben.
Was heißt Unglaube?
Unglaube heißt: Ich schlage die Liebe Gottes, die er mir entgegen bringt, in den Wind. Wer Jesus nicht liebt, hat sich selber von der Gemeinschaft mit Jesus und dem himmlischen Vater ausgeschlossen. Gegen Jesus kann ich mich entscheiden, aber nicht für ihn. Allein der Heilige Geist schenkt mir den rechten Glauben. Der Unglaube verharrt in der Todesmacht, weil er Jesus nicht als den Geber und Herrn des Lebens erkennt und anerkennt.
Schauen wir noch einen kurzen Moment auf die Trauergäste! Die Tröstung von Trauernden gehörte zu den vornehmsten Liebesdiensten im Judentum. Sie sprachen den Trauernden Mut zu, zeigen Nähe und Anteilnahme. Auch die Trauergäste sind mit Maria zu Jesus gelaufen. Nicht um Jesus zu sehen, sondern weil sie annahmen, Maria liefe zum Grab ihres Bruders. Zeternd stehen sie mit Maria vor Jesus. Auch sie klagen ihn an: Blinde hat er sehend gemacht, hätte der den Lazarus nicht gesund machen können? „Da ergrimmte Jesus abermals….“ Auch bei ihnen ist er enttäuscht über den Unglauben, der ihm entgegen schlägt.
Wo, lieber Mitchrist, ordnest du dich ein? Oder anders gefragt: Wie stehst du zum Tod? Wie gehst du mit dem Sterben, deinem Sterben, um? Ordnest du dich bei den Jüngern ein, seinen engsten Gefährten, denen im entscheidenden Augenblick die Durchsicht, der Glaube fehlt?
Oder bist du Martha? Eine, die Jesus zwar anklagt, aber trotzdem noch etwas von ihm erwartet?
Oder Maria? Stehst du hoffnungslos, gar verzweifelt dem Tod gegenüber?
Bist du ein Trauergast? Einer der da sein, Nähe zeigen will, aber doch sprachlos bleibt, weil er von der Auferstehung nicht reden kann? Der Tod an sich, erst recht aber das eigene Sterben wird gerne vergessen.
Das Todesgeschehen wird verbannt auf die Intensivstation des Krankenhauses, ins Sterbezimmer des Pflegeheims. Das passt nicht in unsere Welt des Jugendwahns, des Schönheitsideals, der Karriereleiter.
Die Wirklichkeit des Todes sieht nämlich anders aus. Nichts wird uns in dieser Geschichte von Lazarus erspart, nichts beschönigt und zugedeckt. Wir sind dem Tod gegenüber hilflos.
Wir merken beim Tod eines lieben Menschen, dass der Tod etwas Widernatürliches ist. Eben nicht, wie manche lässig sagen: der ewige Kreislauf von Werden und Vergehen. Oder: Zum Leben gehört das Sterben nun mal dazu. Von wegen!
Der Schöpfer des Lebens hat sich das so eben nicht vorgestellt.
Liebe Schwester, lieber Bruder. Du und ich, wir sind durch unser Tun und Lassen Täter und Opfer zugleich. Nur sind wir keine unschuldigen Opfer, sondern schuldige Opfer. Täter sind wir, weil wir es zu verantworten haben, was wir getan und gelassen haben. Opfer unserer eigenen Schuld aber, weil wir alle Sterben müssen. Das ist unsere Krankheit, die letztlich zum Tod führt.
Ist also alles mit dem Tod aus? Diese Frage führt uns zum 2. Teil, wo wir schauen wollen, wie der Tod getötet wird.
„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben, “ sagt Jesus der Martha. Ein majestätisches Wort!
Hier spricht Jesus in der Autorität des ureignen Namens Gottes: „Ich bin“ ist die Übersetzung aus dem 2. Buch Mose 3, wo der Herr sagt: Ich werde sein, der ich sein werde.
Jesus spricht hier als der wahre Gott: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Jesus ist es, der dir Zukunft ermöglicht. Denn dieser Jesus steht für das, was er sagt.
Warum? Weil er der Sohn Gottes ist, der dir das ewige Leben erkämpft hat. Er hat es dir am Kreuz am Golgatha erworben. Dort hat er den Tod getötet, indem er für dich zu Tode gequält wurde. Sein Blut musste fließen für den Unglauben dieser Welt, für das, was dich von Gott trennt: Deine Sünde und deine Schuld. Ja, dort ging´s um Leben und Tod. Genauer: um deinen Tod, um dein Leben. Nicht allein um das Leben hier und unser Sterben. Sondern: Es geht um ewigen Tod und um ewiges Leben. Ewiger Tod heißt: Weit weg sein von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. Ewiges Leben hingegen heißt: Bei Gott sein, mit ihm leben, zu Hause sein – für immer!
Daher darfst du dich in dunklen Stunden deines Lebens von Jesus geliebt wissen. Denn er ist es, der dich durch dieses Leben führen will. Und wenn’s ans Sterben geht: Er trägt dich. Er hält dich fest und lässt dich nicht los. Das gilt im Leben, es gilt erst recht im Sterben. So will er dich zu deiner fröhlichen Auferstehung in der Kraft seiner Auferstehung führen.
„Glaubst du das?“, so fragt Jesus Martha. So fragt Jesus heute auch dich. „Glaubst du das?“ Martha antwortet mit einem Bekenntnis des Glaubens: „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist.“
Da stehen sie alle am Grab des Lazarus, Gläubige und Ungläubige. Jesus befiehlt, den Stein vom Grab wegzurollen. Auch wenn Martha einwendet: Er ist schon 4 Tage tot und stinkt. Jesu Antwort: Wenn du glaubst wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen.
Mit lauter Stimme ruft er: „Lazarus, komm heraus.“ Mit seinem lebensschaffenden Wort tritt der in Leichentüchern gewickelte Lazarus ins Tageslicht.
Die Geschichte schließt mit der Bemerkung: „Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was Jesus tat, glaubten an ihn.“
Es geht Jesus hier also nicht um eine Showeinlage, um Effekthascherei. Es geht ihm einzig um Glauben. Jesus will nicht aus Mitleid heilen, sondern um Glauben zu wirken. Die Auferweckung des Lazarus überwindet den Zweifel, die ausnahmslos alle hatten, wie wir im 1. Teil der Predigt gehört haben.
Vielmehr will Jesus vorhandenes Vertrauen stärken und neuen Glauben schenken. Das Ziel dieses Wunders ist: Glaube an Jesus, den vom Vater gesandten Gottessohn. Dieser Glaube ist es, der dich nicht im Tod belassen wird, weil der, der selber auferstanden ist, dich bei deinem Namen und ins Leben der Auferstehung rufen wird.
Denn schon hier in diesem Leben, wird dir ein Gegengift zum Tod verabreicht. Jeden Sonntag wird dir dieses Gegengift angeboten.
In der Tat! Es ist Christi wahrer Leib und Christi wahres Blut. „Arznei der Unsterblichkeit“, hat es der Kirchenvater Irenäus von Lyon genannt. Der Leib Christi, den du an diesem Altar isst, ist der Leib dessen, der am Kreuz für dich gestorben ist. Er ist es, der für dich am Jüngsten Tag eintreten wird.
Das Blut Christi, das du an diesem Altar empfängst, ist das gleiche Blut, das Christus für dich am Kreuz vergossen hat. Es ist das gleiche Blut, das dich für die Ewigkeit freisprechen wird.
Es ist die liebevolle Einladung Jesu, im Glauben an seine Worte - das ist mein Leib, das ist mein Blut – an den Altar zu treten und diese Arznei der Unsterblichkeit zu empfangen. Hier schenkt er dir Vergebung deiner Sünden. Und wo es das gibt, da gibt es Leben. Eine Zukunft will er dir so ermöglichen, die über den Tod hinausgeht.
Es ist ein neues Leben, das hier schon beginnt. Am Altar leuchtet schon etwas von dem Leben herüber, das kein Ende haben wird.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.
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