Gnade sei mit euch und Friede von Gott,
unserem Vater und unserem Herrn, Jesus Christus.

Gottes heiliges Wort für diese Predigt steht geschrieben im Brief des Paulus an die Römer im 5. Kapitel, Verse 1-5.

Wir beten: Herr, sende herab auf uns deinen Heiligen Geist,
dass wir dein Wort verstehen und glauben. Amen.

 

Liebe Gemeinde!

Wenn ich im Urlaub bin, schaue ich mir gerne historische Gebäude an. Gerade bei Schlössern sind nicht immer alle Wege frei, alle Räume geöffnet. Da kann es dann mal vorkommen, dass eine Aufsicht ruft: „Da dürfen Sie nicht lang. Die Tür ist geschlossen! Kein Zutritt für Unbefugte.“ „Was mag sich hinter der Tür verbergen? Wieso habe ich keinen Zugang?“

Auch Paulus redet hier in Vers 2 von einem Zugang. „durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben.“ Von welchem Zugang und wohin, ist hier die Rede? Gehen wir der Sache auf den Grund und sehen uns I. die Tür an und II. den Raum.

Also nehmen wir 1. die Tür ins Visier.

Zunächst:
Der Weg ist versperrt. Da ist eine Aufsicht.

Weiter:
Die Tür ist zu, verbarrikadiert und verriegelt. Selbst wenn man sich an der Aufsicht vorbei schleicht: kein Rütteln, ziehen, drücken, schieben, treten nützt. Keinen Zentimeter bewegt sich diese Tür. Kein Zutritt für Unbefugte.

Warum ist diese Tür zu? Die Bibel sagt es uns mit einer uralten Geschichte. Hören wir mal hinein.

„Da wies ihn Gott der HERR aus dem Garten Eden, dass er die Erde bebaute, von der er genommen war. Und er trieb den Menschen hinaus und ließ lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert, zu bewachen den Weg zu dem Baum des Lebens.“ So lesen wir in 1. Mose 3. Darum ist die Tür zu, der Weg versperrt. Denn: Der Mensch hat zu Gott nein gesagt. Und das nimmt Gott ernst, sehr ernst.

Die Folge ist, dass die Tür verschlossen ist, der Weg versperrt. Die Auflehnung gegen Gott und das Misstrauen ihm gegenüber hat uns in diese Lage gebracht: Vor verschlossener Tür. Finden wir das schlimm? Nicht unbedingt. Manchmal empfinden wir es als schön ohne Gott zu sein. Wir sind unser eigner Herr, uns quatscht keiner in unserer Lebensplanung dazwischen, wie wir unser Leben führen. Wir sind frei zu tun und zu lassen, was wir wollen. Freiheit! Freiheit von Gott. Freiheit von seinem Willen. Freiheit von seinen Regeln.

Sind wir wirklich frei, liebe Schwestern und Brüder? Nein. Wir sind Sklaven. Das merken wir nur oft nicht. Sklaven unserer Neigungen, Wünsche, Fehler. Oft bemüht, eine Fassade der Freiheit aufrecht zu erhalten. Oh, darin sind wir ganz große Künstler. Wir arbeiten mit vielen Tricks, um die Fassade aufrecht zu halten.

Da gibt es 1. den Verschiebetrick: Wir schieben unsere Schuld beiseite. Was ich? Ich hab´ im Büro nicht das Briefpapier und die Umschläge für meine Zwecke genommen. Dieser Trick funktioniert ganz plump und einfach: abstreiten, lügen, leugnen, verdrängen!

Dann gibt’s 2. den Zeigefingertrick. Einfach und wirkungsvoll. Von unserer eigenen Schuld ablenken. Sie war´s, er war´s. Wir beschuldigen andere oder was heute immer gut kommt: Es waren die Umstände, wissen Sie. Die Verhältnisse waren halt so. Wenn die Sachlage anders gewesen wäre, na, dann wäre das nicht passiert. Aber es ist jetzt wie es ist. Und damit muss man leben.

3. ist da der Schmucktrick: Beschönigen! Das habe ich alles nur für meine Firma gemacht. Ich habe das aus Liebe getan. Ja, hier kann Liebe missbraucht werden. Fraglich, ob das dann noch Liebe ist, und nicht eher Eigensucht.

Und ich denke da noch 4. den Verkleinerungstrick: Nie mehr zugeben als absolut nötig. Wir geben nur einen Teil der Schuld zu. Eine gute Taktik: Erst alles abstreiten und dann „nachinformieren“.

Nützen die Tricks? Wird die Fassade so aufrechterhalten?
Kommen wir gar mit diesen Tricks an der Aufsicht vorbei oder durch die verschlossene Tür? Nein, aber wir wollen es auch nicht. Wir sind mit unserer Fassade zufrieden. Auch wenn sie hässlich ist, und kaputt. Aber Gott will nicht, dass diese Tür weiter verschlossen bleibt.

Wie ist diese Tür zu öffnen? Wir haben gesehen: Nicht mit Gewalt, nicht mit Tricks. Also wie? Wir brauchen einen Schlüssel. Das ist der Schlüssel: Das Kreuz Jesu. [Kreuz hoch halten]
Gott hat diesen Schlüssel. Es ist sein Sohn am Kreuz. Das Kreuz Jesu schließt uns die Tür wieder auf. Jesus ist für uns am Kreuz gestorben und das hat Auswirkungen bis auf den heutigen Tag. Es hat Konsequenzen für dich. Es hat die Folge, dass du gerechtfertigt bist.

Paulus sagt gleich zu Beginn: „Da wir nun gerecht geworden sind.“ Wir sind es. Im Glauben an Jesus sind wir das. Und das Kreuz Christi ist Gottes Schlüssel dazu. Gott macht mit diesem Schlüssel die Tür wieder.

Er sagt: Es soll alles wieder in Ordnung kommen zwischen mir und dir. Du sollst nicht vor verschlossener Tür stehen. Hier ist der Schlüssel, das Kreuz meines Sohnes. Glaube und tritt ein.

Jesus nimmt uns an die Hand und im Glauben an ihn dürfen wir den Raum der Gnade betreten. Im Glauben an Jesus bist du befugt diesen Raum zu betreten, weil er für dich gestorben ist. Und das gilt.

Komm und sieh, II. was im Raum zu finden ist. Gott schenkt uns einen geschützten Lebensraum. Einen Raum, in dem wir atmen können. Wo echtes Leben möglich ist. Dort haben wir Frieden mit Gott. Dieser Friede mit Gott ist Folge des Todes Jesu am Kreuz. Wir bewegen uns, wenn wir an Jesus glauben, in diesem Gnadenraum.

Weil wir an Jesus glauben, stehen, wir jetzt in diesem wundervollen Raum der göttlichen Gnade. Das Stehen ist ein Bild für den Halt und die Kraft, die Gott uns schenkt.

Dadurch, dass Jesus den Tod am Kreuz besiegt hat und zurück zum Vater gekehrt ist, hat er auch uns diesen Raum zugänglich gemacht. Im Glauben an Jesus sind wir befugt diesen Raum nicht nur zu betreten, sondern zu stehen, zu bleiben, ja zu wohnen.

Dort sagt er dir zu: Deine Sünden sind dir vergeben. Mein Sohn hat dir den Himmel aufgeschlossen. Ich hab dich lieb.

Wir haben Zugang zu diesem Raum, weil Jesus uns durch das Kreuz, den Raum aufgemacht hat. Nicht weil wir es wollten oder könnten.

Es passiert, weil Gott es wollte. Die Gnade Gottes, dass nichts mehr zwischen Gott und dir steht, widerfährt dir. Es passiert mit dir. Gott handelt an dir.

Nein, wir können Gott nicht auf die Sprünge helfen. Wie wir gesehen haben, können wir die Tür von alleine nicht öffnen.

Gott hat uns den Zugang eröffnet, indem er deine Sünde auf Jesus legt. Er hängt sie am Kreuz auf, damit du durch die Kraft des Heiligen Geistes eintreten kannst in die wunderbare Welt Gottes.

Gott will dir durch das Kreuz Jesu eine Zukunft in seiner Welt öffnen. Und damit hat er schon angefangen:

Paulus sagt hier: „durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird.“

Wir dürfen uns rühmen der Herrlichkeit unseres Gottes. Im Glauben an Jesus Christus wird diese Verherrlichung Wirklichkeit. Die Hoffnung darauf dürfen wir schon jetzt hier und heute haben.

Moment mal: Da kommt ein Einwand gegen den Glauben an Jesus: Heißt Glaube bei euch Christen, dass ihr euch ein Jenseits zurecht zimmert, in das ihr euch flüchtet, wenn es euch in der Welt zu hart, zu bitter, zu kalt, wird?

Betreibt ihr eine christliche Vogel-Strauss-Politik, dass ihr euren Kopf in den Sand steckt, wenn alles rings umher vor Not und Anfechtung vergeht, als ginge es euch gar nichts an?

Oder was ist mit uns, die wir an Jesus glauben. Ja, auch wir können verzagen: Ach, Hoffnungen. Die können zerstört werden. Platzen wie Seifenblasen. Hoffnung auf Gesundheit, Hoffnung auf Kinder, Hoffnung, die Ehe zu retten, Hoffnung, nicht länger allein durchs Leben gehen zu müssen, Hoffnungen… .

Muss ich wieder hoffen, um nachher doch nur enttäuscht zu werden? Werde ich getäuscht oder lasse ich mich täuschen, damit mich die bittere Realität meines Lebens im wahrsten Sinne des Wortes wieder „ENT-TÄUSCHT“. Zurück auf dem Boden der nackten und kalten Tatsachen.

Hören wir mal Paulus: „Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zu Schanden werden.“

Nein, Paulus nimmt das Leben mit den Sorgen und Nöten ernst. Er kennt sie aus eigener Erfahrung.

Liebe Gemeinde, Paulus steht mit beiden Füssen auf dem Boden der Tatsachen. Er verleugnet nicht die Belastungen dieses Lebens. Verspricht nicht den Himmel auf Erden. Die Hoffnung des Glaubens lebt nicht an der Wirklichkeit vorbei.

„Werde Christ, und du hast keine Sorgen mehr.“ So nicht.

Vielmehr meint Paulus: Du darfst das, was dich bedrückt, deine Last, deine Trauer, Angst, deine Bedrängnis annehmen, weil diese dich zu Jesus treibt. Die Hoffnung des Glaubens führt mitten durch Trübsal, durch Leid, durch Krankheit, durch Sterben und Tod hindurch.

Es geht darum, dass wir in die Hoffnung getrieben werden, die nicht enttäuscht. Es ist keine Hoffnung ins Blaue hinein. Es ist verbürgte Hoffnung. Garantierte, am Kreuz auf Golgatha durch bittere Tiefe hindurch geführte Hoffnung, die trägt.

Jesus steht in der Mitte unseres Glaubens und damit auch in der Mitte aller unserer Hoffnung.

Du darfst im Glauben an Jesus wissen, dass jede Bedrängnis Geduld, Durchstehvermögen bewirken kann. Die Bewährung aber Hoffnung. Das heißt die vorausgesetzte Hoffnung wird nur immer gewisser, stärker und bestimmender. Du darfst dich stützen auf seine Verheißung.

Denn Gott kann nicht lügen. Ja, es gibt etwas, was Gott nicht kann –lügen, mit Tricks arbeiten.

Vielmehr:
Du darfst wissen, dass Gottes Verheißung des Lebens, seine Verheißung der Vergebung, seine Verheißung der Gemeinschaft mit ihm wahr werden wird, weil Gott Gott ist.

ER selbst bleibt sich treu. Die Geschichte Gottes mit dir ist noch nicht zu Ende.

Der Tod, die Nacht, die Finsternis, die Gewalt des Bösen, die Auflehnung und das Misstrauen Gott gegenüber; alles das kann und wird nicht bleiben.

Das ist die Hoffnung, die nicht zu Schanden wird.

Diese Hoffnung wird nicht zu Schanden, denn Gottes Liebe ist in unsere Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist. In der Taufe haben wir diesen Geist Gottes geschenkt bekommen. Dort wohnt er jetzt. Dieser Geist Gottes bezeugt die Liebe Gottes und lässt sie in uns wirksam werden.

Und von dieser Liebe Gottes in Christus kann uns keine Macht trennen.

Einige Kapitel weiter schreibt Paulus: “Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“

Diese Liebe gilt dir. Jetzt, wenn es dir gut geht, du fröhlich bist. Aber gerade dann, wenn es dir nicht gut geht, wenn Sorgen dich überrollen, schwere Krankheit dich bedroht, Einsamkeit dich drückt, Tränen den klaren Blick trüben, Sterben und Tod naht: Gottes Liebe hält dich. In ihr darfst du dich geborgen wissen. Sie trägt dich in Gottes wunderbare Welt.

Denn: Die Tür ist aufgeschlossen durch den Schlüssel: Das Kreuz Jesu. Dort kommt Gottes Liebe zu seinem Höhepunkt. Tritt im Glauben ein in den Raum der Gnade Gottes. Dazu bist du im Glauben an Jesus befugt. Der Zutritt in Gottes herrliche Welt ist offen. Komm und sieh. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.